Die Asse Chronik
Vom Umgang mit Atommüll in Niedersachsen
Daten zur Schachtanlage Asse II
Hohlraumvolumen des ehemaligen Kalibergwerks:
3,35 Millionen Kubikmeter
Zum Schacht:
Beginn der Abteufung in 1906
Endteufe des Schachtes von 765 Meter wurde im Jahr 1908 erreicht.
Die Steinsalzgewinnung wurde 1964 aus wirtschaftlichen Gründen eingestellt.
Einlagerungszeitraum Atommüll:
Beginn der Einlagerung 1967
Ende der Einlagerung 1978
Volumeninventar, soweit bekannt:
125.000 Atommüllfässer mit leicht-radioaktivem Material auf 750 + 725 Meter-Sohle und 1300 Fässer mit mittelradioaktivem Müll auf 511 Meter-Sohle.
Radioaktives Inventar:
Nach der im Frühjahr 2002 veröffentlichten Untersuchung zum Radionuklidinventar enthalten die Fässer am 1.1.2002 neben anderen Radionukliden auch insgesamt 102 Tonnen Uran und 11,6 kg Plutonium; die gesamte Strahlungsaktivität betrug 83.300 Curie. (Die Abschätzung ist unsicher, weil sie auf Grundlage der bei den Abfallanlieferern noch vorhandenen Unterlagen erstellt wurde; frühere Abschätzungen gehen von 40 kg Plutonium aus.)
Betreiber des sogenannten Forschungsbergwerks:
GSF = Gesellschaft für Strahlenforschung mbH
Später umbenannt in:
GSF – Gesellschaft für Strahlen- und Umweltforschung mbH
GSF – Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit GmbH (In der Helmholtz-Gemeinschaft)
In 2008 vollständig aufgegangen im HelmholtzZentrum München
Betriebsleiter: Dipl.-Ing. Günther Kappei
Prof. Kühn war seit 1995 wissenschaftlicher Leiter des Forschungsbergwerkes; von 1973 bis zu seiner Auflösung 1995 Direktor des GSF – Institut für Tieflagerung
Zeitablauf:
1967 |
Beginn der Einlagerung |
1966 |
Kühn (GSF): Studie über die Gefahr eines Wasser- oder Laugeneinbruchs in das Grubengebäude des Schachtes Asse II, S. 8: "All diesen Voraussetzungen zufolge ist ein Wassereinbruch in das Grubengebäude des Schachtes Asse II sowohl in dem Schacht selbst als auch über die südwestliche Flanke des Salzstockes höchst unwahrscheinlich" |
1967 |
Kühn, Klarr & Borchert: Studie über die bisherigen Laugenzuflüsse auf den Asse-Schächten und die Gefahr eines Wasser- oder Laugeneinbruchs in das Grubengebäude des Schachtes II, S. 32: "Aus allen im Hauptteil näher gekennzeichneten Gegebenheiten lässt sich schließen, dass die Gefährdung für die Schachtanlage Asse II durch Wasser- oder Laugeneinbrüche als minimal anzusehen bzw. mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit sogar auszuschließen ist. Vielmehr lässt sich die diesbezügliche Situation – gerade auch im Vergleich mit anderen Salzvorkommen – als durchaus günstig bezeichnen." |
1972 |
Erste mittelradioaktive Abfälle "Die ersten mittelradioaktiven Abfälle wurden am 31. August 1972 in wieder verwendbaren Abschirmbehältern angeliefert. Zur Einlagerung kamen nur standardisierte 200-l-Fässer. Aufgrund des hohen Aktivitätsinventars (bis zu 1013 Bq pro 200-l-Faß) und der damit verbundenen hohen Dosisleistung (bis zu 10² Gy/h) an der Behälteroberfläche konnte die Handhabung dieser Abfallbehälter nur im abgeschirmten Zustand und durch Fernbedienung erfolgen. Aus diesem Grund konnten auch die Einlagerungskammern nicht betreten werden, so dass eine völlig neue Technik für die Handhabung und Einlagerung unter Tage entwickelt und erprobt werden musste." (Vortrag Kappei 2001) |
| 1973 | "Zum besseren Verständnis der Kernenergie" Zitate aus einer Broschüre der HEW Hamburgische Electrizitäts-Werke AG und NWK Nordwestdeutsche Kraftwerke AG, die 1973 an alle Haushalte im Bereich Stade verteilt wurde, (Ergänzte Auflage V/1973) "Frage 19: Ist das Problem der Endlagerung radioaktiver Rückstände gelöst? Antwort: Schon mit Beginn der Kernenergietechnik wurden Überlegungen angestellt, wie die langlebigen Isotope, die im Kernkraftwerk zurückgehalten worden sind, auf unschädliche Art gelagert werden können. Dazu besteht eine Reihe von Möglichkeiten. In der Bundesrepublik Deutschland ist man dazu übergegangen, den radioaktiven Abfall in Salzstöcke einzulagern, da man gesichert weiß, daß solche Salzstöcke bereits seit Jahrtausenden mit ihrer Umgebung keinen Kontakt haben. Es ist also berechtigt, dies auch für die Zukunft anzunehmen. Um ganz sicher zu gehen, wurden zur Endlagerung auch nur solche Salzgebirge in Betracht gezogen, von denen man weiß, daß über die sie mit der Erdoberfläche verbindenden Schächte keinerlei Wassereinbruch zu befürchten ist. Die Entscheidung für eine Versuchsanlage - die Hauptlagerstätte wird an anderer Stelle eingerichtet - fiel auf das stillgelegte Salzbergwerk Asse II bei Wolfenbüttel. Die benachbarten Anlagen Asse I und Asse III sind wegen der anders gearteten geologischen Struktur für die Endlagerung nicht geeignet. Man hat in dem gewählten Bergwerk Kammern hergerichtet, die nach Einlagerung des Abfalles verschlossen werden können. So ist mit Sicherheit ausgeschlossen, daß die Aktivität erneut in den Wasser- oder Luftkreislauf der Atmosphäre gelangen kann. Darüber hinaus sind alle höher aktiven Abfälle vor der Einlagerung in eine wasserunlösliche Form überführt worden. Sollten jedoch bei diesen Überlegungen solche Einflüsse nicht berücksichtigt worden sein, die sich nur über außerordentlich lange Zeiträume bemerkbar machen, so kann diese Lagerstätte jederzeit - allerdings mit beträchtlichem Aufwand - wieder geräumt und der Abfall an einer anderen Stelle deponiert werden. Es sei ferner darauf hingewiesen, daß die Lagerstätten ständig überwacht werden, um rechtzeitig genug etwaige Fehler in der vorausgegangenen Abschätzung der Ungefährlichkeit aufdecken zu können. Man erkennt auch hierbei wieder die der Kerntechnik eigene große Sorgfalt bei der Problemlösung schon im Planungsstadium, eine Sorgfalt, die bisher auf kaum einem Gebiet der Technik in vergleichbarem Maße angetroffen werden kann." |
1973 |
"Seit 1973 fielen bei den Ablieferern vermehrt radioaktive Abfälle an, die wegen der höheren Dosisleistung an der Fassoberfläche in Betonbehältern eingesetzt und mit Zement vergossen wurden. Diese so genannten verlorenen Betonabschirmungen (VBA) mit einem Gewicht von 2,5 – 3,5 t wurden dann als schwachradioaktive Abfälle eingelagert." (Vortrag Kappei 2001) |
1974 - 76 |
Abteufen von Schacht 4 auf 925 und Schacht 2 auf 950 Meter Tiefe, der so genannte Tiefenaufschluss wurde erstellt. |
1976 |
4. Atomrechtsnovelle regelt die Endlagerung radioaktiver Abfälle neu, Planfeststellungsverfahren mit Öffentlichkeitsbeteiligung wird vorgeschrieben. "Für das Salzbergwerk Asse wurde kein Planfeststellungsverfahren durchgeführt. Da die letzten erteilten Einlagerungsgenehmigungen Ende 1978 ausliefen und nicht mehr verlängert werden konnten, wurden die Einlagerungen von schwach- und mittelradioaktiven Abfällen in das Salzbergwerk Asse am 31.12.1978 beendet." (Vortrag Kappei 2001) |
1978 |
Beendigung der Einlagerung |
1979 |
H.-H. Jürgens (Braunschweiger Arbeitskreis gegen Atomenergie): Atommülldeponie Salzbergwerk Asse II: Gefährdung der Biosphäre durch mangelnde Standsicherheit und das Ersaufen des Grubengebäudes. Zusammenfassung S. 52: "Die als ersoffen anzunehmende Atommülldeponie stellt entgegen den Behauptungen der GSF eine Bedrohung für die Umwelt dar, weil gerade wegen des geologischen Aufbaus und der hydrogeologischen Situation der Asse ein Übertritt kontaminierter Salzlösungen auch aus größeren Tiefen in genutzte Grundwasserhorizonte nicht ausgeschlossen werden kann. An den "fünf gebirgsmechanischen Faktoren zur Standsicherheit von Salzbergwerken" ist im Abschnitt 3.1. nachvollzogen worden, dass die rechnerischen Ansätze der GSF in fast allen Fällen zu günstig gewählt wurden" |
1979 |
Bund und Land Niedersachsen kamen überein, in der Asse nur noch Forschungs- und Entwicklungsarbeiten für eine sichere Endlagerung durchzuführen. "In der Folgezeit nutzte das Institut für Tieflagerung das Bergwerk für Forschungen innerhalb der beiden großen Themenbereiche: - Entwicklung und Erprobung von Einlagerungsmethoden für wärmeerzeugende - vor allem hochradioaktive - Abfälle und Bearbeitung damit zusammenhängender sicherheitstechnischer Fragen, - Entwicklung und Erprobung von Techniken zum Verfüllen und Verschließen von Bohrlöchern, Kammern, Strecken und Schächten in einem Endlager." (Vortrag Kappei 2001) |
1981 |
Prof. Kühn: Geo-Scientific Investigations in the Asse II Salt Mine. S. 7: "We even can say that with these resulting values of stability of greater than 2 we don´t have to expect the formation of fissures and cracks which could be dangerous." |
1984 |
BGR (Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe): Gebirgsmechanisches Gutachten zur Stabilität der Abbaue der Schachtanlage Asse II. Die Standsicherheit der Südwestflanke ist für die nächsten 15 Jahre gegeben. (also bis 1999!) |
1985 |
DBE (Deutsche Gesellschaft zum Bau und Betrieb von Endlagern für Abfallstoffe mbH): Untersuchung der technischen, zeitlichen und finanziellen Bedingungen eines möglichen Endlagers Asse im Vergleich zum Endlager Konrad. Zusammenfassung der Ergebnisse:
*Anfang 1993 – Einlagerungsbeginn Asse |
1985 |
Bis Mitte der 80er Jahre wurde an einem Planfeststellungsverfahren für ein Endlager Asse gearbeitet. Die kritischen Stimmen wurden dabei nicht berücksichtigt. Die Realisierung des Endlagers Asse wurde letztlich wegen der schnelleren erwarteten Realisierung von Konrad nicht weiterverfolgt. |
1988 |
Die Laugenzutritte wurden erstmals entdeckt. Die Öffentlichkeit wurde nicht informiert. |
1992 |
Nach Kenntnisstand bis 5/2008 wurde 1992 die Versuchstätigkeit eingestellt. "Im Frühjahr 1992 kündigte das Bundesministerium für Forschung und Technologie (BMFT) an, die drei seit langer Zeit in der Schachtanlage Asse laufenden bzw. in Vorbereitung sich befindenden Großversuche - Demonstrationseinlagerung hochradioaktiver Versuchsquellen (HAW-Projekt), -Einlagerung mittelradioaktiver Strahlenquellen (MAW-Projekt) und - das Dammbauvorhaben im Salzgebirge ab 1. Januar 1993 nicht mehr durch Projektmittel zu fördern. Infolge dieser Entscheidung wurde das GSF – Institut für Tieflagerung am 30. Juni 1995 nach 30 Jahren erfolgreicher Forschungsarbeit aufgelöst." (Vortrag Kappei 2001) |
1994 |
Wittke, W.: Endlager für radioaktive Abfälle Morsleben (ERAM) – Verfüllen und Verschließen des Grubengebäudes und der Schächte (Phase I) – Stilllegungskonzepte für die Nachbetriebsphase.- Bericht im Auftrag des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS).- Für die Stilllegung des Endlagers Morsleben wurde u.a. auch der Versatz mit MgCl2-Lauge betrachtet und bewertet. Positiv bewertet wurde dabei die optimale Rückhaltewirkung gegen den Zutritt von Wasser und Lauge. Negativ bewertet wurde die mangelnde Rückhaltewirkung gegenüber dem Nuklidtransport. Problematisch wird die Flutung der Einlagerungsbereiche gesehen. Insgesamt erhält der Laugenversatz mit 13 bis 17 Wertungspunkten die schlechteste aller sicherheitstechnischen Bewertungen (zum Vergleich: 70 Punkte hatte die beste (und vorgeschlagene) Variante). Die Kosten der MgCl2-Verfüllung wurden mit 1,6 Mrd. DM abgeschätzt (gegenüber 2,5 Mrd.) Für das ERAM wurde daher die Variante Laugenversatz verworfen. |
1994 |
Gutachten des Niedersächsischen Umweltministeriums (NMU) stellt fest, dass ein größerer Wassereinbruch nicht mit Sicherheit auszuschließen sei. Empfehlung: Verfüllung des Hohlraums. |
1995 |
Das GSF – Institut für Tieflagerung in Braunschweig wird am 30. Juni 1995 nach 30 Jahren aufgelöst. |
1995 - 2003 |
Beginn der Verfüllung mit Abraum von der Halde des Kalibergwerkes Ronnenberg bei Hannover. Täglich werden bis zu 1200 Tonnen Verfüllmaterial eingebracht. Bis Dezember 2003 sind sämtliche Abbaue der Südflanke mit 2.2 Mio. Tonnen Abraum komplett verfüllt worden. Für die restliche Verfüllung der Hohlräume sind 0.5 Mio. Tonnen notwendig. Nach der Darstellung von Kappei in 4/2005 ist auch die 725 Meter-Sohle verfüllt worden, auf der auch leichtradioaktiver Abfall eingelagert wurde. |
1997 |
Genehmigung eines Rahmenbetriebsplans durch das Bergamt Goslar. "Zukünftige Arbeiten auf der Schachtanlage Asse" in groben Zügen geregelt. Hierin wird unterschieden zwischen Arbeiten, die noch während der laufenden Verfüllung der Abbaue auf der Südflanke begonnen werden sollen - dies sind hauptsächlich zusätzliche Maßnahmen innerhalb und im Nahbereich der Lagerkammern für radioaktive Abfälle - und Arbeiten, die erst nach Beendigung dieser Maßnahme in Angriff genommen werden sollen. Hierbei handelt es sich im wesentlichen noch um die Verfüllung der restlichen Grubenbereiche (Kaverne, Wendelstrecke, Blindschächte, Versuchsfelder, Infrastrukturräume), die Verfüllung und den Verschluss der Tagesschächte 2 und 4 sowie den eventuell erforderlichen Rückbau von Tagesanlagen mit entsprechenden Rekultivierungsmaßnahmen." (Vortrag Kappei 2001) |
1998 |
Seit 1998 wird ein täglicher Laugenzulauf von 11 m³ Steinsalzlauge ins Bergwerk festgestellt |
2001 |
Bei einer Tagung der Aktion Atommüllfreie Asse (AAA) im Oktober 2001 berichtet GSF von Laugenzutritten seit 1991. In der Darstellung des Betreibers zur Laugensituation vom 29.2.2008 wird der Beginn des Laugenzuflusses auf den August 1988 terminiert. |
2001 |
Prof. Dr. Klaus Kühn in einem Vortrag zu der "Zeit der Forschungs- und Entwicklungsarbeiten" in der Schachtanlage Asse: "Ziel war es, für ein geplantes Endlager im Salzstock Gorleben die entsprechenden Techniken und die wissenschaftlich-technischen Daten zu ermitteln und bereit zu stellen. Der Salzstock Gorleben war in der Eignungsuntersuchung. Wir von der GSF sollten im Forschungsbergwerk Asse die entsprechenden Technologien und wissenschaftlichen Untersuchungen durchführen." |
2002 |
Landkreis Wolfenbüttel und Samtgemeinde werden laut NMU seit 2002 in Berichten über die Laugenzuflüsse in der Südflanke informiert. Die Berichte enthalten den Zusatz, dass die Lauge "regelmäßig auf Radioaktivität untersucht wird". |
2002 |
Bericht zum radioaktiven Inventar. (siehe oben) |
2003 |
Für Anfang 2003 hatte der Betreiber die Vorlage des für die Schließung notwendigen Sicherheitsberichts angekündigt |
2003 |
Im April 2003 ist der Salzlaugenzufluss auf etwa 12,5 m³/Tag angestiegen. |
2004 |
Es wurde begonnen den Tiefenaufschluss zwischen der 925- und 750-Meter-Sohle teilweise zu verfüllen. Bis 4/2005 wurden Sumpfstrecken. Wetterstrecken und ein Blindschacht verfüllt (Vortrag Kappei 4/2005) Dabei wurde auch Magnesiumchloridlauge als Schutzfluid eingebracht; inzwischen über 10.000 qm. Die Wirkungsweise dieses Stoffs als Schutzfluid ist umstritten. O-Ton Kappei: "Nach Einstellung der Versuche im Jahre 1992 gab es für diesen Bereich der Grube keine weitere Verwendung mehr, so dass wir auch diesen Teil ohne Zulassung eines Abschlussbetriebsplanes, sondern durch Zulassung eines Sonderbetriebplanes verfüllen können. Wir haben damit im Jahr 2004 begonnen." (Vortrag 4/2005) (Die Begründung, warum man diesen Teil des Bergwerks ohne Abschlussbetriebsplan verfüllen darf, ist bemerkenswert!) Weiter: Es wurde 2004 der Prototyp einer Strömungsbarriere auf der 775 Meter-Sohle gebaut. Inzwischen sind weitere gebaut worden sein. Insgesamt ist der Bau von 65 Strömungsbarrieren genehmigt, ohne dass ein Abschlussbetriebsplan vorliegt.
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2005 |
Im November 2005 wurde bekannt, dass die Vorlage des Landzeitsicherheitsnachweises auf unbekannte Zeit verschoben wird, da es über die Entwicklungen in den Kammern, in denen der Atommüll liegt, neue Erkenntnisse gibt. (Referat von Dr. Hensel auf der Öffentlichkeitsveranstaltung der gsf am 17. November 2005.) |
2006 |
Prof. Kühn: Die Endlagerung radioaktiver Abfälle in Deutschland – wo liegen die Probleme im internationalen Vergleich? (Vortrag acatech-Symposium 21.11.2006) S. 65: "Mit der Einrichtung des Instituts für Tieflagerung und der Inbetriebnahme des Bergwerks Asse als Forschungslabor wurden im Juni 1965 die Instrumente (zur Lösung der Endlagerfrage, Anm.) geschaffen. In der Folgezeit entwickelte sich eine erfolgreiche nationale und internationale Zusammenarbeit, in deren Verlauf Deutschland eine führende Stellung in dieser Forschungsrichtung erreichen konnte. … bis Anfang der 1990er Jahre das Aus für das Institut für Tieflagerung und das Bergwerk Asse als Forschungslabor von der Politik beschlossen wurde." S. 74: "Obwohl alle drei Versuche mit großem Erfolg und internationaler Beteiligung weit fortgeschritten waren und erhebliche Mittel investiert wurden, konnten sich beide Ministerien nicht über die Restfinanzierung in der Größenordnung von ca. 100 Mio. DM einigen…" |
2007 |
Am 29. Januar 2007 wurde von der GSF beim Landesbergamt der Abschlussbetriebsplan vorgelegt. Im März 2007 hat das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie diesen Abschlussbetriebsplan, dessen Bestandteil auch der Sicherheitsbericht mit Langzeitsicherheitsnachweis ist, wegen Unvollständigkeit der Unterlagen zurückverwiesen. Weiter heißt es in der Presse: "Laut Abstimmung zwischen GSF, Bundesumwelt und -forschungsministerium sowie Landesumweltministerium und LBEG ist eine "umfassende Beteiligung der Öffentlichkeit" vorgesehen. Vor diesem Hintergrund gehe das Bergbauamt "in Anlehnung an die atomrechtliche Verfahrensverordnung" vor." (Braunschweiger Zeitung vom 17.03.2007) |
2007 |
Im April 2007 wurde die Klage einer Anwohnerin auf Anwendung des Atomrechts eingereicht. Sie nimmt dabei Bezug auf eine Expertise des Gesetzgebungs- und Beratungsdienstes des Landtages, die von der Grünen Landtagsfraktion in Auftrag gegeben wurde. |
2007 |
Die Landtagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen fordert mit Antrag vom 18. April ein atomrechtliches Planfeststellungsverfahren zur Stilllegung der Asse mit Öffentlichkeitsbeteiligung. Dabei sollen alle denkbaren Optionen zum Schutz der Biosphäre geprüft werden. Die laufenden Arbeiten zur Flutung der Schachtanlage sollen unverzüglich gestoppt werden. |
2007 |
Am 3. Juli wurde Strafanzeige wegen des Verdachts des Betreibens einer Anlage in der Kernbrennstoffe ohne die erforderliche Genehmigung verarbeitet werden, bzw. wegen unerlaubten Umgangs mit radioaktiven Stoffen spätestens seit 1995 gegen den Betreiber der Asse, das Landesbergamt und das Niedersächsische Umweltministerium gestellt. |
2007 |
Im November einigen sich das Niedersächsische Umweltministerium, das Bundesforschungsministerium und das Bundesumweltministerium auf Maßnahmen zur "Gefahrenprävention", nachdem das BfS einen Bericht zur Prüfung der Schachtanlage Asse II im Hinblick auf die Anforderungen eines atomrechtlichen Planfeststellungsverfahrens vorgelegt hat. Nunmehr werden eine Störfallanalyse, eine Machbarkeitsanalyse zur Stabilisierung, eine Herleitungsbericht zum Schließungskonzept und ein Optionenvergleich gefordert. Außerdem wird ein Begleitgremium eingerichtet. |
2008 |
Die GSF wird aufgelöst. Die Asse gehört jetzt zum Helmholtz Zentrum München
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2008 |
Am 6. März genehmigt das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie, das der Dienstaufsicht des Wirtschaftsministers und der Fachaufsicht des Umweltministers untersteht, nach Bergrecht die "Umlagerung von kontaminierter Salzlösung und Materialien in den Tiefenaufschluss" der Asse. Diese Genehmigung ist ganz offensichtlich rechtswidrig, da keine Genehmigung nach Strahlenschutzverordnung für den Umgang mit der radioaktiv kontaminierten Lauge vorliegt. Ob es für frühere Einlagerungen von kontaminierter Lauge ebenfalls bergrechtliche Genehmigungen gab ist unklar. |
2008 |
In einer Email an den Landkreis Wolfenbüttel schreibt G. Kappei, der Betriebsleiter der Schachtanlage Asse, dass bei der monatlichen Beprobung der Lauge auf der 750 m Sohle "außer den natürlich vorkommenden Radionukliden nur Cs 137 mit einer Aktivitätskonzentration, die im Bereich der Umweltradioaktivität liegt, detektiert werden" konnte. |
2008 |
Die Braunschweiger Zeitung berichtet am 10. Juni über die Belastung der Salzlauge in der Asse mit Cäsium 137. H. J. Haury vom Helmholtz-Zentrum erklärt: "Die Belastung der Lauge ist so gering, dass wir sie problemlos zur Stabilisierung anderer Bergwerke verwenden können." |
2008 |
Die HAZ berichtet am 12. Juni über die Belastung der Salzlauge in der Asse mit Cäsium 137. Eine Sprecherin von Umweltminister Sander "warnt vor Panikmache". H. J. Haury vom Helmholtz-Zentrum nennt die Cäsium Belastung "sehr, sehr gering". Deshalb, so Haury weiter, "sei die Suche nach Ursache auch nicht vordringlich". Außerdem behauptet das Helmholtzzentrum: "Wir haben die Behörden immer eingehend informiert, die Cäsium Belastung ist nichts neues." |
2008 |
Umweltausschuss des Landtages am 16. Juni Sts. Birkner, NMU, berichtet, dass es in der Schachtanlage Asse zwei Fundstellen mit einer radioaktiv belasteten Lauge gibt, die die Freigrenzen der Strahlenschutzverordnung für Cäsium 137 um das 3-fache, bzw. um das 8-fache überschreite. Außerdem sei Tritium festgestellt worden. Diese Information läge dem Landesbergamt und dem Umweltministerium seit vielen Jahren vor. Der Landtag sei nie informiert worden. Die mit Cäsium 137 belastete Lauge sei auf die 975m Sohle des Bergwerks verbracht worden und nicht rückholbar eingelagert worden. Kappei und Meyer, HHZ: Die Genehmigung sei durch Sonderbetriebsplan des Landesbergamtes erfolgt. Außerdem gebe es eine strahlenschutzrechtliche Genehmigung von 1978, die zuletzt im Jahr 2002 verlängert worden sei. Insgesamt seien 77-80 m3 kontaminierte Lauge auf der 975m Sohle in einen mit Salzgruss verfüllten Stollen eingeleitet worden. Meyer behauptet es gäbe eine "atomrechtliche Weisung des Niedersächsischen Umweltministeriums. |
2008 |
Bei einer Sitzung des Asse II Begleitgremiums am 16. Juni berichtet das HHZ, dass die Laugen auch Spuren von Plutonium und Strontium enthalten. |
2008 |
Unterrichtung im Umweltministerium am 17. Juni durch Sts. Birkner: Vor Kammer 12 werden seit 1988 Messungen durchgeführt. Bis 1995 sei die Cäsium-Belastung angestiegen. Seit 1995 sei die Belastung oberhalb der Freigrenze der Strahlenschutzverordnung (StrlSchV) von 10.000 Bq. Seit 2005 2-fach oberhalb der Freigrenze. Seit 2005 wird die Lauge auf die 975 m Sohle abgepumpt. 77 m3 seien auf die 975m Sohle verbracht worden. Zur Genehmigung läge ein Sonderbetriebsplan von März 2008 vor, außerdem eine strahlenschutzrechtliche Anordnung von 1978 mit Nachträgen. Zuletzt verlängert 2002 durch Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG). NMU habe Zweifel am rechtlichen Rahmen und habe die Einlagerung der kontaminierten Lauge auf der tiefsten Sohle daher gestoppt. Sts. Birkner behauptet im Gegensatz zu Äußerungen vom Vortag, dass NMU erst seit 2007 Kenntnis von kontaminierten Laugen oberhalb der Grenzwerte habe, er persönlich habe erst Kenntnis seit dem 13. Juni 2008. In einem fachaufsichtlichen Gespräch wird LBEG aufgegeben, künftig keine Vorlagen, die Asse II betreffen, ohne Zustimmung von NMU zu erlassen. Sts. Birkner berichtet von einer zusätzlichen Fundstelle mit 9-facher Belastung mit Cs 137 über den Freigrenzen, die seit 1995 bekannt sei und 2007 dauerhaft geschlossen wurde. Außerdem wird von einem "Vorfall" von 1973 berichtet, wo flüssiger Atommüll auf einer Transportstrecke ausgelaufen sei. Die Einlagerung von flüssigem Atommüll sei auch damals nicht zulässig gewesen. Darüber hinaus berichtet Sts. Birkner von 12 Fässern mit Cäsium, Neptunium und Uran, die zu "Versuchszwecken" eingelagert seien und wieder herausgeholt werden sollten. Am 20. Juni ergänzt Sts. Birkner im Umweltausschuss des Landtags sein Angaben vom 17. Juni und erklärt, dass der Grenzwert im Laugensumpf vor Kammer 12 den Grenzwert nicht nur um das 9-fache, sondern um das 11-fache überschritten hätte. |
2017 |
Die Schießung von Asse II wird für das Jahr 2017 angestrebt. Der ursprünglich vorgesehene Termin 2013 war nicht mehr zu halten.
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